Was bleibt, was kommt dazu
KNX ist ein offener Standard, früher hieß er EIB, Europäischer Installationsbus. Ein Aktor von 2003 arbeitet heute noch mit aktuellen Geräten zusammen, und die zweiadrige Busleitung zu jedem Taster wäre im Neubau viele tausend Euro wert. Wer das herausreißt und durch Funk ersetzt, wirft das Beste an der Anlage weg.
Bleibt, wie es ist
- Taster an der Wand
- Schaltaktoren für Licht
- Jalousieaktoren
- Heizungsaktoren und Raumregler
- Busleitung und Netzteil
Kommt dazu
- KNX-IP-Gateway auf der Hutschiene
- Zentrale: Home Assistant oder Loxone
- App am Handy und Dashboards je Raum
- Sprachsteuerung auf Wunsch
- PV, Wärmepumpe und Wallbox lokal angebunden
Technik-Details: Gerät für Gerät
| Was du hast | Bleibt | Kommt neu | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Taster an der Wand | Ja | Nichts | Funktion bleibt, Änderung nur mit ETS |
| Schaltaktoren für Licht | Ja | Nichts | Werden in Home Assistant zu Lichtern |
| Jalousieaktoren | Ja | Nichts | Sonnenstandsautomatik übernimmt die Zentrale |
| Heizungsaktoren | Ja | Meist nichts | Raumregelung bleibt in KNX oder wandert in die Zentrale |
| Visualisierung | Nur wenn du willst | App und Dashboards | Altes Tablet oder HomeServer kann weg |
| Logik | Zeitschaltuhren | Anwesenheit, Szenen, Beschattung nach Sonne | Läuft in der Zentrale, nicht im Bus |
| Energie | Gab es nicht | PV, Wärmepumpe, Wallbox lokal | Braucht KNX gar nicht |
KNX 2005 und KNX mit Zentrale heute
Eine Anlage aus dieser Zeit wurde einmal programmiert und dann nie wieder angefasst. Taster links schaltet das Licht, Taster rechts fährt die Jalousie, und jede Änderung braucht die ETS und den Integrator von damals. Mit einer Zentrale darüber ändert sich das, ohne dass ein einziger Taster anders funktioniert.
KNX 2005
Der Taster schaltet das Licht, die Zeitschaltuhr fährt die Jalousie. Programmiert wird nur per ETS durch den Integrator: keine App, keine Anwesenheit, kein Blick auf den Stromverbrauch.
KNX mit Zentrale heute
Szenen, Zeitpläne und Anwesenheit stellst du selbst in der App ein. Die Jalousien folgen der Sonne, die Wallbox lädt bei PV-Überschuss, und die Taster an der Wand tun weiter, was sie immer getan haben.
Home Assistant oder Loxone an KNX
Beide können eine bestehende KNX-Anlage als Zentrale übernehmen. Bei KNX-Bestand mit PV und Wärmepumpe empfehle ich meist Home Assistant, weil es diese Geräte direkt lokal einbindet und keine Lizenz kostet. Wer Loxone will, bekommt den Miniserver mit KNX-Anbindung, dann aber konsequent alles in Loxone.
Home Assistant an KNX
KNX-IP-Gateway plus Home Assistant Green im Verteiler. Wechselrichter und Wärmepumpe kommen direkt lokal dazu, der Fernzugriff läuft über Tailscale, ein VPN ohne Portfreigabe. Updates sind freiwillig, ohne Update ändert sich nichts. Neue Räume kommen per Matter oder Zigbee dazu. Mehr unter Home Assistant vom Profi.
Loxone an KNX
Der Miniserver übernimmt den Bus über seine KNX-Schnittstelle. Zeiten, Szenen und Temperaturen stellst du selbst in der Loxone-App ein, das ist laienfreundlich. Erweiterungen kommen dann mit Loxone Air und Loxone-Geräten, nicht gemischt. Wann welche Zentrale passt, steht im Ratgeber Loxone oder Home Assistant, was ich mit Loxone plane und übernehme unter Loxone planen und programmieren. Läuft bei dir schon ein Miniserver der ersten Generation, hilft der Ratgeber Loxone Miniserver Gen 1: behalten, Gen 2 oder Home Assistant daneben.
Das ETS-Projekt: der Knackpunkt
ETS ist die Software, mit der KNX programmiert wird. Das ETS-Projekt ist die Datei, in der steht, welcher Taster welchen Aktor über welche Gruppenadresse anspricht, etwa Licht Küche ein. Mit dieser Datei lese ich die Anlage direkt ein, ohne sie höre ich mit dem Busmonitor zu.
Mit ETS-Datei
Ich importiere die Gruppenadressen, jede wird in Home Assistant zu einem Licht, einer Jalousie oder einem Thermostat. Die Datei endet auf .knxproj, bei älteren Versionen auf .pr5: beim Elektriker von damals, auf einer CD im Hausordner oder in der Übergabemappe vom Vorbesitzer.
Ohne ETS-Datei
Der Busmonitor schreibt jeden Befehl auf dem Bus mit. Wir gehen durchs Haus, drücken jeden Taster, fahren jede Jalousie, und ich notiere die Gruppenadressen. Licht, Beschattung und die meisten Heizungsfunktionen sind so in einem Einfamilienhaus an einem Tag rekonstruiert.
Technik-Details: Was ohne Projektdatei nicht geht
Einzelne Geräte neu einstellen. Soll ein Taster eine andere Funktion bekommen oder ein Jalousieaktor eine andere Laufzeit, braucht das die ETS und einen KNX-Fachmann. Ohne Projektdatei müssen die betroffenen Geräte komplett neu programmiert werden, bei alten Anlagen blockiert das manchmal ein Schlüsselschutz. Für App und Automatiken brauchst du das nicht: Home Assistant nutzt die Gruppenadressen, die es schon gibt.
So läuft die Modernisierung ab
Der Bus läuft während der Arbeiten weiter, Licht und Jalousien gehen wie vorher. Fünf Schritte vom ersten Blick in den Verteiler bis zur App am Handy:
Bestandsaufnahme
Smart-Home-Check vor Ort: Blick in den Verteiler, Fotos der Geräte, ETS-Projekt prüfen.
Wird bei Beauftragung angerechnetGateway setzen
KNX-IP-Schnittstelle auf die Hutschiene, Netzwerk zum Verteiler. Am Bus wird nichts umgeklemmt.
Hutschiene und NetzwerkdoseGruppenadressen einlesen
Aus der ETS-Datei importieren oder mit dem Busmonitor Taster für Taster rekonstruieren.
ETS-Datei oder BusmonitorZentrale einrichten
Dashboards je Raum, Anwesenheit, Beschattung nach Sonne, PV und Wärmepumpe, Fernzugriff über Tailscale.
Lokal, ohne CloudÜbergabe
Wir gehen alles gemeinsam durch, die App ist am Handy, Wartung auf Wunsch.
Wartung nach Vereinbarung
Mehr zum Ablauf einer Nachrüstung steht unter Smart Home nachrüsten.
Energie und Funk: drei Wege in die Zentrale
PV, Wärmepumpe und Wallbox konnte KNX allein nie. Sie kommen nicht über den Bus, sondern über das Netzwerk direkt in Home Assistant, und neue Räume oder Melder per Funk. Für dich sieht am Ende ein KNX-Licht genauso aus wie ein Zigbee-Licht.
KNX-Bus
Taster, Licht, Jalousien und Heizung: der Bestand, angebunden über das IP-Gateway.
Netzwerk
Wechselrichter und Wärmepumpen direkt lokal: Fronius, SMA, Huawei, Lambda, Vaillant, Viessmann. Modbus zweite Wahl, Cloud nur, wenn es nicht anders geht.
Funk
Neue Räume und Melder per Matter oder Zigbee, ohne Busleitung und ohne ETS-Programmierung.
Sobald alles in einer Zentrale ist, arbeitet die Logik zusammen: Die Wallbox lädt bei Überschuss, die Wärmepumpe hebt das Warmwasser an, wenn die PV liefert, und die KNX-Jalousien fahren im Sommer zu, bevor die Räume warm werden. Was davon sinnvoll ist, steht im Ratgeber PV-Überschuss richtig nutzen, unter Energiemanagement und für Funk im Ratgeber Smart Home im Altbau ohne Stemmen.
Checkliste vor dem Termin
Beim Smart-Home-Check schaue ich in den Verteiler, der Betrag wird bei Beauftragung angerechnet. So bereitest du den Termin vor:
- Fotos vom Verteiler bei geöffneter Abdeckung, Beschriftungen lesbar.
- ETS-Projektdatei suchen: endet auf .knxproj oder .pr5.
- Liste, was dir fehlt: App, Anwesenheit, Beschattung nach Sonne, PV mit Wärmepumpe.
- Netzwerk beim Verteiler: Netzwerkdose vorhanden oder Abstand zum Router.
- Typ und Baujahr von Wechselrichter, Wärmepumpe und Wallbox.
Nichts davon brauchst du für die erste Anfrage, das klären wir am Telefon oder per Nachricht.
Mit diesen fünf Punkten weiß ich nach dem Termin, ob das ETS-Projekt reicht oder der Busmonitor ran muss, und du bekommst einen Festpreis.
Was kostet es, eine alte KNX-Anlage zu modernisieren?
KNX-IP-Schnittstelle, Home Assistant inklusive Hardware, Einlesen der Anlage, Dashboard, Automatiken und Sprachsteuerung biete ich passend zu deiner Anlage an. Mit ETS-Projektdatei dauert das ein bis zwei Tage, ohne sie kommt der Busmonitor dazu. Vorher schaue ich beim Smart-Home-Check in den Verteiler, der Betrag wird angerechnet. Wartung auf Wunsch nach Vereinbarung.