Warum Beton und Ziegel das Signal schlucken
WLAN ist Funk, und Funk verliert an jeder Wand Energie. Gipskarton und Holz nehmen wenig, Ziegel deutlich mehr, und eine Stahlbetondecke ist der schlimmste Fall, weil die Bewehrung wie ein Gitter wirkt. In Oberösterreich ist genau das der Normalfall, und der Provider-Router steht dazu meist dort, wo die Leitung ins Haus kommt: im Keller. Das schnelle 5-GHz-Band, das für hohe Datenraten sorgt, wird dabei stärker gedämpft als das langsame 2,4-GHz-Band.
Router im Keller
Zwei Betondecken bis ins Obergeschoss
Ein Access Point je Ebene
Kabel statt Funk durch die Decke
Prinzipskizze mit demselben Rechenmodell wie die Heatmap: Das Signal fällt mit der Entfernung, je Stahlbetondecke kommt ein fester Abzug dazu. Werte in dBm wie bei einer Messung, aber kein Ersatz dafür. Bei Holzdecken fällt der Abzug je Decke deutlich kleiner aus, dann kommt oben oft noch ein brauchbares Signal an.
Was die Balken am Handy bedeuten
Ausleuchtungs-Werkzeuge zeigen die Signalstärke in dBm, das Handy übersetzt sie in Balken. Ab etwa -75 dBm ruckeln Videos, darunter reißt die Verbindung ab. Die Stufen sind dieselben wie in der Heatmap, dort steht der Wert je Raum, so kannst du das Bild mit deinem Haus vergleichen.
Stark-40 bis -62 dBm
Drei bis vier Balken. Video, Videoanruf und Cloud-Backup laufen ohne Nachdenken.
Mittel-62 bis -75 dBm
Zwei Balken. Seiten laden, Videos ruckeln zwischendurch, das Handy wechselt gern ins Mobilfunknetz.
Schwachunter -75 dBm
Ein Balken oder keiner. Die Verbindung bricht ab, genau das Funkloch im Obergeschoss.
Stufengrenzen wie in der Heatmap. Wie viele Balken das Handy zeigt, hängt vom Gerät ab, die Größenordnung stimmt. Wer es genau wissen will, liest den Wert mit einer WLAN-Analyse-App am Handy ab, Raum für Raum.
Repeater und Mesh: der Rückweg bleibt Funk
Ein Repeater empfängt das Signal des Routers und sendet es noch einmal aus, beides über dieselbe Funkstrecke. Damit bleibt hinter jedem Sprung höchstens die halbe Bandbreite, und der Repeater steht meist dort, wo das Signal ohnehin schon schwach ist. Zwei Repeater hintereinander sind darum keine Lösung, auch wenn der zweite ganz oben am Fenster hängt.
Repeater
Dazu kommt das Kleben: Handy und Laptop wechseln erst, wenn die Verbindung fast abreißt. Du stehst neben dem Router, das Handy hängt noch am Repeater oben. Reicht für einen Randraum hinter einer Holzdecke, nicht für ein Haus mit Betondecken.
Mesh ohne Kabel
Löst das Kleben besser, weil die Stationen sich absprechen und ein Handy aktiv zum stärkeren Sender schieben. Der Rückweg zum Router bleibt aber Funk durch dieselbe Betondecke. Bei Ziegel und Holz brauchbar, bei Stahlbeton meist genauso abgeschnitten wie der Repeater.
Fast alle Mesh-Sets lassen sich auch per Netzwerkkabel verbinden. Wer das Kabel ohnehin legt, bekommt für ähnliches Geld ein System, das genau dafür gebaut ist.
Access Points am Kabel: ein Router gegen drei Access Points
Ein Access Point ist ein reiner WLAN-Sender am Netzwerkkabel, seinen Strom bekommt er über dasselbe Kabel (PoE). Weil die Daten über das Kabel laufen, liefert er in seinem Stockwerk die volle Leistung, egal wie dick die Decke ist. Zusammengehalten wird das Ganze von einem Controller: Alle Access Points senden dasselbe Netz mit demselben Namen, und du gehst vom Obergeschoss in den Garten, ohne dass das Telefonat abbricht. Im Grundriss kannst du umschalten: ein Provider-Router im Technikraum gegen Decken-, Wand- und Outdoor-Access-Point.
Heatmap als Anschauungsmodell mit vereinfachter Wanddämpfung, Werte in dBm wie bei einer Messung. Die echte Ausleuchtung messe ich vor Ort in jedem Raum, bevor eine Dose gesetzt wird. Tippe auf die Knöpfe, um zwischen den beiden Szenarien zu wechseln.
Willst du das für deinen Grundriss? Schick mir den Plan →
: TP-Link Omada
Omada ist die Business-Linie von TP-Link, mit der ich arbeite: Access Points, Switch, Router und Controller aus einer Familie, lokal verwaltet, ohne Abo und ohne Cloud-Zwang. Der Provider-Router bleibt als Modem im Haus, Router-Funktion und WLAN übernimmt das eigene System.

Decken-Access-Point
Flache Scheibe an der Decke, strahlt gleichmäßig nach allen Seiten. Für offene Wohn- und Essbereiche und Flure, Strom über das Netzwerkkabel.

Wand-Access-Point
Sitzt in einer normalen Unterputzdose, kaum größer als ein Lichtschalter. Für Schlafzimmer, Kinderzimmer und Büro, mit Netzwerkbuchsen für TV oder Schreibtisch.

Outdoor-Access-Point
Wetterfest an der Hauswand oder am Carport. Garten, Terrasse und Pool bleiben im selben Netz wie drinnen, Robotermäher und Kamera gleich mit.

Controller
Führt alle Access Points als ein Netz mit einem Namen und schiebt Geräte aktiv zum besten Sender. Läuft lokal im Netzwerkschrank, Gästenetz und Statistik inklusive.

Router
Übernimmt die Router-Funktion vom Provider-Gerät und trennt Haustechnik, Familie und Gäste in eigene Netze.

PoE-Switch
Versorgt Access Points, Kameras und Türklingel über das Netzwerkkabel mit Strom. Keine Steckdose am Montageort, kein Netzteil an der Decke.
Preislich liegt das kaum über einem guten Mesh-Set, technisch ist es eine andere Liga. Ein Abo braucht es nicht, die Verwaltung läuft lokal im Haus.
Faustregel: ein Access Point je Ebene, einer für den Garten
Meine Faustregel aus der Praxis: ein Access Point je Ebene bis etwa 120 m², bei Betondecken zwingend. Bei einer Sanierung kommen die Netzwerkkabel in Leerrohre, im Bestand läuft das Kabel oft durch ein vorhandenes Leerrohr, über den Dachboden oder den Keller. Das Verlegen macht der Elektriker, die Positionen plane ich vorher im Grundriss. Ein Decken-Access-Point in der Mitte der Ebene erreicht die Randräume durch ein bis zwei Ziegelwände, das passt zur Heatmap oben.
| Haus | Access Points |
|---|---|
| Wohnung, Bungalow oder Holzdecken bis 120 m² | Oft keiner: ein guter Router per Kabel in die Mitte des Hauses |
| Zwei Ebenen mit Betondecke | 2, je Ebene einer, jeweils mittig platziert |
| Keller, Erdgeschoss, Obergeschoss | 3, im Keller reicht oft die Nähe zum Netzwerkschrank |
| Terrasse, Garten oder Pool dazu | plus 1 Outdoor-Access-Point |
Im offenen Wohnbereich sitzt ein flacher Decken-Access-Point, für Schlafzimmer, Kinderzimmer und Büro reicht ein Wand-Access-Point in der Unterputzdose.
Technik-Details: Repeater, Mesh und Access Points im Vergleich
| Repeater | Mesh ohne Kabel | Access Points am Kabel | |
|---|---|---|---|
| Bandbreite | Halbiert sich je Sprung | Rückweg über Funk, bei Beton stark gedämpft | Voll in jeder Ebene |
| Roaming | Geräte kleben am schwachen Sender | Gut, Stationen sprechen sich ab | Gut, vom Controller gesteuert |
| Kabel nötig | Nein | Nein, optional möglich | Ja, ein Netzwerkkabel je Access Point |
| Kosten | Gering je Gerät, oft mehrfach gekauft | Mittel, ein Set liegt preislich nahe an Omada-Hardware | Individuelles Angebot mit Planung und Einrichtung |
| Für wen | Ein Randraum bei Holzdecke | Ziegel- oder Holzbau ohne Kabelmöglichkeit | Massivbau, mehrere Ebenen, Garten, Smart Home |
Der Provider-Router bleibt im Haus, wird aber auf Modembetrieb gestellt und übersetzt nur noch die Leitung von A1 oder Magenta ins Hausnetz. Alte Repeater und Powerline-Adapter werden nach der Umstellung abgebaut, sie stören sonst nur noch. Mehr Sendeleistung am Router hilft nicht, es braucht den Sender in der Ebene.
Selbstdiagnose: Wo hakt es wirklich
Bevor du etwas kaufst, geh diese fünf Punkte durch. Je klarer die Antwort, desto kleiner die Lösung: In Wohnungen, Bungalows ohne Betondecke und bei Holzdecken bis etwa 120 m² je Ebene reicht oft ein einzelner guter Router an der richtigen Stelle. Dann ist die günstigste Maßnahme, ihn per Kabel aus dem Keller in die Mitte des Hauses zu holen.
Router-Standort
Keller, Technikraum oder Metallschrank? Dann ist der Standort das erste Problem.
Baustoff
Betondecken oder Holzdecken, Ziegel oder Leichtbau? Bei Stahlbeton hilft nur ein Kabel.
Anzahl Ebenen
Ab zwei Ebenen mit Massivdecke braucht jede Ebene einen eigenen Sender.
Wo genau es hakt
Ein Randzimmer, das ganze Obergeschoss oder der Garten? Danach richtet sich die Zahl der Access Points.
Was heute dranhängt
Repeater, Mesh und Powerline-Adapter fliegen bei einer Neuplanung raus, sonst stören sie das neue Netz.
Wenn du ein Smart Home planst, gilt das doppelt, denn Wärmepumpe, Wechselrichter, Wallbox und Kameras hängen alle im Netz. Feste Adressen und ein eigenes Netz für die Haustechnik gehören bei mir zur Einrichtung dazu, genauso wie beim Nachrüsten eines Smart Homes per Funk. Wie du im Altbau ohne Stemmen weiterkommst, steht im Ratgeber zum Smart Home im Altbau, die Planung mit Ausleuchtung im Grundriss auf der Seite WLAN im ganzen Haus.
Was kostet WLAN im ganzen Haus?
Das komplette Paket mit Messung vor Ort, Router, PoE-Switch, Controller, drei Access Points, Netzwerkdosen und Einrichtung inklusive Gästenetz biete ich nach individuellem Angebot an. Wer selbst montiert, bekommt ein individuelles Angebot für Planung plus Hardware. Die Kabel verlegt der Elektriker, die Positionen dafür zeichne ich ihm in den Grundriss.
