Ratgeber · PV-Überschuss nutzen

PV-Überschuss nutzen: Wärmepumpe, Wallbox oder Speicher zuerst?

Mittags liefert das Dach mehr, als das Haus braucht. Der Rest geht für ein paar Cent ins Netz, abends kaufst du zum vollen Preis zurück. Mit Steuerung bleibt der Mittagsstrom im Haus. Das Video zeigt, wie ein Tag damit aussieht.

Ein Tag mit Überschusssteuerung: Warmwasser und Auto laden, während die Sonne scheint.

Ein Tag, zwei Ergebnisse

Gleiches Haus, gleiche 8-kWp-Anlage, gleicher sonniger Frühlingstag. Oben läuft alles wie geliefert: Warmwasser um halb sechs per Zeitprogramm, das Auto lädt nach der Arbeit. Unten schiebt die Steuerung Warmwasser und Autoladen in die Mittagsstunden.

Ohne Steuerung

Warmwasser 5:30 Uhr, Auto lädt ab 17:30 Uhr

Tagesverlauf ohne Steuerung: PV-Erzeugung, Verbrauch, Eigenverbrauch, Netzbezug und Einspeisung 0246 kW0 Uhr6 Uhr12 Uhr18 Uhr24 Uhr
Eigenverbrauch22 %
aus dem Netz22,9 kWh
eingespeist27,4 kWh

Mit Überschusssteuerung

Warmwasser 11:30 Uhr, Auto lädt mit der Sonne

Tagesverlauf mit Steuerung: PV-Erzeugung, Verbrauch, Eigenverbrauch, Netzbezug und Einspeisung 0246 kW0 Uhr6 Uhr12 Uhr18 Uhr24 Uhr
Eigenverbrauch58 %
aus dem Netz10,1 kWh
eingespeist14,6 kWh

Rechenmodell mit 15-Minuten-Werten: 35 kWh Ertrag, Wärmepumpe 1,5 kW für Warmwasser, E-Auto 11 kWh am Tag, kein Speicher. Tippe in die Grafik, um die Werte zur Uhrzeit zu sehen.

Unterm Strich halbiert sich der Netzbezug, ohne dass jemand auf etwas verzichtet. Das Auto ist am Abend genauso voll, das Wasser genauso warm. Nur der Zeitpunkt ist ein anderer.

Die Reihenfolge der Verbraucher

Ich ordne nach dem Nutzen pro Kilowattstunde und danach, wie viel Aufwand es kostet, das Gerät steuerbar zu machen:

  1. Haushalt

    Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner mittags starten. Nutzt Überschuss ganz ohne Technik.

    Aufwand gering
  2. Warmwasser

    Wärmepumpe oder Heizstab heben den Speicher mittags auf 55 Grad. Wärme ist der günstigste Speicher im Haus.

    SG-Ready oder Modbus
  3. Wallbox

    Das Auto lädt nur, wenn Überschuss da ist, und regelt mit der Sonne mit.

    OCPP, Modbus oder lokale Schnittstelle
  4. Batteriespeicher

    Nimmt, was übrig bleibt, für den Abend. Die teuerste Art, Strom aufzuheben.

    Wechselrichter mit Schnittstelle
  5. Heizung

    Im Frühjahr und Herbst hebt die Wärmepumpe mittags den Vorlauf leicht an. Estrich und Fußbodenheizung werden zum Puffer.

    nur mit Fußbodenheizung
Technik-Details: Was jedes Gerät braucht
VerbraucherWie steuerbarWas es braucht
HaushaltsgeräteStartzeit am GerätGewohnheit, bei Bedarf eine Shelly-Steckdose
Heizstab im BoilerEin und Aus nach ÜberschussShelly oder Loxone-Aktor im Verteiler
WärmepumpeSG-Ready-Kontakt oder ModbusAktor am SG-Ready-Eingang oder Netzwerkanbindung, Freigabe im Menü
WallboxLadestrom, Start und Stopp, PhasenumschaltungWallbox mit OCPP, Modbus oder lokaler Schnittstelle
BatteriespeicherMeist automatisch, gezielt per ModbusWechselrichter mit offener Schnittstelle
HeizungSollwert-Anhebung per SG-Ready oder ModbusWie Warmwasser, sinnvoll nur mit Fußbodenheizung

So sieht das am Handy aus

Home Assistant zeigt im Energie-Dashboard, woher der Strom gerade kommt und wohin er geht. Der Nachbau zeigt den Beispieltag um 12:30 Uhr: Das Dach liefert 4,6 kW, Warmwasser und Auto nehmen fast alles, ins Netz gehen 0,0 kW.

Nachgebautes Energie-Dashboard mit den Werten des Beispieltags. Das echte Dashboard richte ich mit deinen Geräten ein, lokal im Haus, ohne Cloud.

Warmwasser: Wärmepumpe oder Heizstab

Heizstab

1 kWh → 1 kWh Wärme

Die billigste Lösung: ein Schaltaktor im Verteiler, fertig. Aus einer Kilowattstunde Strom wird aber nur eine Kilowattstunde Wärme.

Wärmepumpe

1 kWh → 3 kWh Wärme

Nimmt Umgebungswärme mit. Angesteuert über den SG-Ready-Kontakt oder Modbus. Viele Hersteller bindet Home Assistant direkt lokal ein, ohne Cloud.

Ob deine Wärmepumpe SG-Ready hat, steht im Handbuch unter Steuereingänge oder Smart Grid. Fehlt der Kontakt, bleibt der Heizstab oder ein Zeitprogramm, das Warmwasser in die Mittagsstunden legt.

Wallbox: Laden mit der Sonne

Die Steuerung misst am Netzanschluss, wie viel Überschuss gerade da ist, und gibt der Wallbox genau so viel Ladestrom frei. Zieht eine Wolke durch, regelt sie herunter. Unter 1,4 Kilowatt lädt kein Auto, dann pausiert die Wallbox, statt Strom aus dem Netz zu holen.

Überschussladen: Die Ladeleistung folgt dem PV-Überschuss, bei Wolken pausiert die Wallbox, unter 1,4 kW lädt kein Auto 024 kW8 Uhr10 Uhr12 Uhr14 Uhr16 Uhr18 Uhr Mindestleistung 1,4 kW Wolke Wolken
  • PV-Überschuss
  • Ladeleistung Wallbox
Kurze Wolken überbrückt die Steuerung mit einer Verzögerung, erst bei längerem Einbruch pausiert sie. Wer morgens sicher ein volles Auto braucht, bekommt eine Zielzeit, bis zu der notfalls aus dem Netz nachgeladen wird.
Technik-Details: Messung, Zentrale, Wallbox

Messung: Kundenschnittstelle des Smart Meters, ein Shelly Pro 3EM im Verteiler oder der Netzzähler des Wechselrichters. Zentrale: Home Assistant, der Loxone-Energiemanager oder evcc, eine freie Software fürs Überschussladen, die sich in Home Assistant einbinden lässt. Wallbox: steuerbar über OCPP, Modbus oder die lokale Schnittstelle, etwa go-e, KEBA, Fronius Wattpilot, openWB oder Easee. Eine Wallbox mit Schlüsselschalter und sonst nichts kann es nicht.

Warum die Hersteller-App nicht reicht

Drei Apps

Wechselrichter, Wallbox und Wärmepumpe sehen jeweils nur sich selbst. Mittags greifen alle nach demselben Überschuss, ziehen zusammen mehr als das Dach liefert, und der Rest kommt aus dem Netz.

Eine Zentrale

Home Assistant oder Loxone sieht alle Geräte und setzt die Reihenfolge durch: zuerst Warmwasser, dann Auto, dann Speicher. Welche Zentrale passt, steht im Ratgeber Loxone oder Home Assistant. Ist schon eine KNX-Anlage aus den 2000ern oder ein Loxone Miniserver Gen 1 im Haus, kommt Home Assistant daneben und übernimmt die Energie. Bei klassischer Elektrik zeigt der Ratgeber Smart Home im Altbau ohne Stemmen, wie die Zentrale ins Haus kommt.

Speicher und dynamische Tarife

Ein Batteriespeicher steht oft ganz oben auf der Wunschliste, ist aber die teuerste Art, Überschuss aufzuheben. Pro investiertem Euro bringt die Warmwasser-Anhebung meist mehr, weil sie mit vorhandener Technik auskommt. Ich rechne deshalb zuerst Warmwasser und Wallbox durch, dann den Speicher. Ist er schon da, lädt er bei vielen Wechselrichtern von selbst zuerst. Per Modbus lässt sich das oft umdrehen, aber nicht bei jedem Modell.

Dynamische Stromtarife passen gut zu dieser Steuerung: Im Winter lädt das Auto in den günstigen Nachtstunden, und die Wärmepumpe legt ihre Laufzeit in die billigen Zeitfenster. Voraussetzung ist ein Smart Meter mit Viertelstundenwerten.

Checkliste vor dem Termin

Fotos vom Typenschild reichen meistens:

Nichts davon brauchst du für die erste Anfrage, das klären wir am Telefon oder per Nachricht.

Damit bekommst du ein Konzept mit Vorrang-Reihenfolge und einen Festpreis. Was das Energiepaket enthält, steht auf der Seite Energiemanagement. Wenn du nicht sicher bist, was im Haus verbaut ist, ist der Smart-Home-Check vor Ort der einfachste Einstieg, der Betrag wird angerechnet.

Was kostet eine PV-Überschusssteuerung?

Das Energiepaket mit Anbindung von Wechselrichter, Wärmepumpe und Wallbox, Überschusslogik mit Vorrang-Reihenfolge, Dashboard und Einweisung biete ich individuell passend zu deiner Anlage an. Wer erst wissen will, was im Haus überhaupt steuerbar ist, startet mit dem Smart-Home-Check vor Ort. Der Betrag wird auf den Auftrag angerechnet.

Kennst du jemanden, dem das hilft? Schick den Ratgeber weiter.

Häufige Fragen

Was bringt mehr: Batteriespeicher oder Wärmepumpe mit PV-Überschuss?

Pro investiertem Euro meist die Wärmepumpe. Sie nutzt vorhandene Technik, ein SG-Ready-Kontakt und ein kleiner Aktor reichen, und der Warmwasserspeicher hält die Wärme bis zum Abend. Ein Batteriespeicher kostet deutlich mehr und rechnet sich dadurch langsamer. Sinnvoll ist er vor allem bei hohem Abendverbrauch.

Kann meine Wallbox mit PV-Überschuss laden?

Wenn sie sich von außen steuern lässt, ja. Dafür braucht sie OCPP, Modbus oder eine lokale Herstellerschnittstelle. go-e, KEBA, Fronius Wattpilot, openWB und Easee können das. Dazu kommt eine Messung am Netzanschluss und eine Zentrale wie Home Assistant, Loxone oder evcc, die den Ladestrom mit der Sonne mitregelt.

Reicht ein Heizstab im Boiler statt der Wärmepumpe?

Er ist die billigste Lösung und schnell nachgerüstet, ein Shelly im Verteiler schaltet ihn nach Überschuss. Effizient ist er nicht: Aus einer Kilowattstunde Strom wird eine Kilowattstunde Wärme, die Wärmepumpe macht daraus rund drei. Wenn die Wärmepumpe SG-Ready oder Modbus hat, nehme ich sie zuerst.

Warum reicht die App meines Wechselrichters nicht?

Weil sie nur die Geräte des eigenen Herstellers sieht. Wallbox und Wärmepumpe anderer Marken greifen dann gleichzeitig nach demselben Überschuss, und der Rest kommt aus dem Netz. Erst eine gemeinsame Zentrale, die alle Geräte kennt, kann eine Vorrang-Reihenfolge durchsetzen.

Muss der Elektriker etwas machen?

Meist gar nichts. Den Zähler setze ich selbst: Ein Shelly Pro 3EM auf der Hutschiene misst alle drei Phasen, damit die Steuerung den Überschuss kennt; seine Stromwandler werden nur um die Leitungen geklemmt. Auch den Aktor für den SG-Ready-Kontakt der Wärmepumpe setze ich in den Verteiler. Nur ein neuer Stromkreis, etwa für die Wallbox, braucht den Elektriker. Die Anbindung über Netzwerk und die Logik übernehme ich.

Frag mich direkt

Schreib mir, welcher Wechselrichter, welche Wärmepumpe und welche Wallbox bei dir im Haus sind. Ich sage dir innerhalb von zwei Werktagen, was sich anbinden lässt und was es bringt.

Ing. Thomas Basting

Ing. Thomas Basting, Mechatroniker und Smart-Home-Integrator, Edt bei Lambach

Ich beantworte jede Anfrage selbst, innerhalb von zwei Werktagen.

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